Pilgern nach Klausen, frueher nur wegen der Zuckerpfeifen

mit freundlicher Genehmigung von Harald Billen aus Niederstadtfeld


Die Gemeinden Niederstadtfeld, Üdersdorf und Bleckhausen gehen jedes Jahr am letzten Septembersamstag nach Klausen wallfahrten. Mit dem Glockenschlag morgens um 7 Uhr geht’s los Richtung Manderscheid. Ich hab diesen Brauch für mich vor fünf Jahren wieder aufleben lassen, nachdem ich bereits als Kind vor ca. 25 Jahren schon zweimal mitgegangen war. Mutter oder Vater waren damals immer dabei und so schloss ich mich an, hauptsächlich angelockt von den leckeren Zuckerpfeifen, die es dort zu kaufen gab. Ich erinnere mich, dass ich damals einmal den ganzen Weg vor meinem Vater und hinter Adam Haep (Bortels Oddem) gegangen bin. Als ich nachmittags dann über meine wehen Beine klagte, drehte Oddem sich um und sagte:“ Ja Jung, en bisschen mooste dir die Zuckerfleeten och verdeenen!“ Damit war das Thema wehe Beine schon erledigt! Viel mehr weiß ich leider nicht mehr von meinen Wallfahrten als Kind. Ein anderes Jahr war es, als meine Mutter als einzige der Familie mit nach Klausen war. An diesem Tag mittags hatte mein Vater einen Autounfall, zum Glück ohne Personenschaden. Allerdings war unser VW Käfer nur noch ein Haufen Schrott. Ich erinnere mich noch gut an das entsetzte Gesicht meiner Mutter als sie abends das Auto sah. „Un dofier säin öch hout bis no Klousen geloof “, waren ihre Worte. Wenn ich heute dieses eine Mal im Jahr mit nach Klausen geh, so sicher nicht mehr wegen der Zuckerpfeifen. Trotz der körperlichen Strapaze hat man Zeit, an einiges zu denken oder auch für Manchen und Manches zu beten. Nicht, dass ich da den ganzen Tag tiefgläubig vor mich hin laufe, aber man denkt doch mehr als sonst über Vieles nach. Vielleicht versucht man auch, durch dieses Pilgern sich für vieles Gute zu bedanken und Kraft zu schöpfen für neue Aufgaben. Sicher hat jeder, der dort mitpilgert, eine andere Sicht der Dinge. Unterhält man sich generell mit Leuten übers Pilgern, so gehen die Meinungen von „richtig gut“ bis „totaler Quatsch“. Letztendlich muss jeder eben selber wissen, ob ihm das was bringt oder nicht. Positiv für mich ist auch die musikalische Begleitung der Musikkapelle, welche, so finde ich, so einer Wallfahrt einen festlichen Rahmen verleiht. Alle Pilger gehen, denke ich, die letzten Meter vor und in der Kirche mit einem gewissen Stolz. Sei es, weil sie die Strecke einfach nur geschafft haben oder sie sehen den Gang in die Kirche als schönen Abschluss dieses Tages. Wahrscheinlich mit dem Gefühl, für sich und vielleicht für andere etwas Gutes getan zu haben. In der Kirche sieht man dann immer die erschöpften, aber doch irgendwie zufriedenen Gesichter. Der Gang an die Souvenirstände nach der Messe ist schon Tradition. Ein Gebetbüchlein, ein Rosenkranz oder ein Figürchen nimmt fast jeder als Erinnerung mit nach Hause, und natürlich Zuckerpfeifen....wie früher! PS.: Kürzlich habe ich das Buch „Ich bin dann mal kurz weg“ von Hape Kerkeling gelesen. Er beschreibt darin seine wochenlange Pilgerreise auf dem Jakobsweg in Spanien. Natürlich ist dieser große Pilgerweg nicht mit der kleinen Wallfahrt nach Klausen zu vergleichen. Dennoch können sicher viele Pilger die Gedankengänge in diesem interessanten Buch nachvollziehen.

Quelle: www.jahrbuch-daun.de